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Mobile Physiotherapie in Bayern: Warum Hausbesuche bei 630.000 Pflegebedürftigen essenziell sind

Rund 630.000 Pflegebedürftige leben derzeit im Freistaat Bayern. 83 Prozent von ihnen werden zu Hause betreut, wie Gesundheitsministerin Judith Gerlach am 8. September 2026 mitteilte.

Mobile Physiotherapie in Bayern: Warum Hausbesuche bei 630.000 Pflegebedürftigen essenziell sind

Pflege in Bayern: 83 % der Betroffenen bleiben zu Hause — was das für mobile Physiotherapie bedeutet

Bis 2050 werde die Zahl der Pflegebedürftigen auf mindestens 980.000 steigen. Für Praxen, die aufsuchende Physiotherapie anbieten, sind diese Zahlen mehr als Hintergrundrauschen: Sie definieren den adressierbaren Markt und die Versorgungslücke, die Hausbesuchsdienste konkret schließen können.

10.471 geförderte Pflegeplätze — und Physiotherapie als Teil des Quartiers

Seit 2020 stellte der Freistaat über das Förderprogramm „Pflege im sozialen Nahraum" insgesamt 486,6 Millionen Euro bereit. Gefördert wurden 10.471 Pflegeplätze. Die Infrastruktur dahinter: 59 Pflegestützpunkte, 100 Fachstellen und 3.860 Angebote zur Unterstützung im Alltag, getragen unter anderem von rund 13.500 Ehrenamtlichen.

Ein konkretes Beispiel für die Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung entsteht aktuell in Biberbach im Landkreis Augsburg. Dort fördert der Freistaat über das Programm „PflegesoNah" den Bau eines Seniorenzentrums mit 2,94 Millionen Euro. Vorgesehen sind 44 Dauerpflegeplätze und 12 Tagespflegeplätze. Der AWO Kreisverband Augsburg Stadt als Zuwendungsempfänger plant, das Zentrum als Quartierstreffpunkt zu öffnen. Explizit genannt werden dabei unter anderem Angebote aus den Bereichen Physiotherapie und Fußpflege, die auch Menschen aus dem sozialen Nahraum offenstehen sollen. In einer Bürgerwerkstatt wurden konkrete Bedarfe und Angebote gemeinsam mit Vereinen, Institutionen und regionalen Dienstleistern ermittelt.

Strategie „Gute Pflege. Daheim in Bayern" — mobile Therapie gefragt

Die Strategie des bayerischen Gesundheitsministeriums setzt darauf, dass Pflegebedürftige möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben können. Genau hier liegt die Schnittstelle zur mobilen Physiotherapie: Wenn 83 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, sind aufsuchende Therapeuten kein Nischenangebot, sondern ein systemrelevanter Baustein der Versorgungskette.

Die Ministerin begrüßte zudem den Verzicht auf Einsparungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehörigen, den Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann zuvor in Aussicht gestellt hatte. Das stärkt die Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Pflege, entbindet aber nicht von der Notwendigkeit professioneller therapeutischer Versorgung im häuslichen Setting.

To-do für die Praxisleitung

Praxen mit mobilem Angebot in Bayern sollten prüfen, ob Kooperationen mit regionalen Pflegestützpunkten und den neuen Quartierskonzepten wie dem Seniorenzentrum in Biberbach bestehen oder aufgebaut werden können. Die Zahl der zu Hause betreuten Pflegebedürftigen wird bis 2050 um über 50 Prozent steigen. Wer frühzeitig in diese Versorgungsstrukturen eingebunden ist, sichert sich nicht nur Patientenkontakte, sondern leistet einen nachweisbaren Beitrag zur ambulanten Versorgungssicherheit im Freistaat.