onsite-physio.

Evidenzbasierte Bewegung für ein schmerzfreies Leben

Physiotherapie: Praxisbesuch oder Hausbesuch für Senioren?

Wenn der Weg in die Physiotherapiepraxis bereits zur Belastungsprobe wird, beginnt die eigentliche Therapie oft noch vor der ersten Behandlung: Anziehen, Treppen bewältigen, auf den Fahrdienst warten, ein- und aussteigen, im Wartebereich sitzen.

Aktualisiert01. September 2026
Lesezeit13 Min. Lesezeit
Physiotherapie: Praxisbesuch oder Hausbesuch für Senioren?

Für Menschen mit stark eingeschränkter Gehfähigkeit, nach einer Hüft- oder Knieoperation oder mit einer neurologischen Erkrankung kann dieser organisatorische Aufwand die vorhandenen Ressourcen deutlich übersteigen.

Gleichzeitig ist die Praxis nicht automatisch die bessere oder schlechtere Wahl. Dort stehen je nach Ausstattung größere Trainingsgeräte, ein Bewegungsbad oder Möglichkeiten für die Krankengymnastik am Gerät zur Verfügung. Beim Hausbesuch richtet sich die Physiotherapie dagegen unmittelbar nach dem Alltag: dem eigenen Bett, dem Badezimmer, der Treppe und den Bewegungsabläufen, die zu Hause tatsächlich gelingen sollen.

Die Frage Physiotherapie: Praxis oder Hausbesuch für Senioren lässt sich deshalb nicht mit einem allgemeinen Vorzug beantworten. Entscheidend sind die aktuelle Mobilität, das Therapieziel, die Sicherheit beim Weg zur Praxis und die Frage, welche Umgebung das Nervensystem und die körperlichen Ressourcen im Moment besser unterstützt.

Wann ein Hausbesuch medizinisch sinnvoll ist

Ein Hausbesuch ist mehr als eine bequeme Variante der Behandlung. Bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten muss die medizinische Notwendigkeit ärztlich festgestellt werden. Dafür muss der Arzt den Hausbesuch ausdrücklich auf der Heilmittelverordnung ankreuzen. Ohne diese Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die zusätzlichen Kosten für den Hausbesuch in der Regel nicht.

Typische Situationen, in denen eine Physiotherapie im häuslichen Umfeld ärztlich verordnet werden kann, sind:

  • stark eingeschränkte Gehfähigkeit, wenn der Weg zur Praxis selbst mit Unterstützung nur schwer oder nicht sicher möglich ist;
  • Bettlägerigkeit oder eine deutlich reduzierte Belastbarkeit nach einer Operation, etwa nach dem Einsatz einer Hüft- oder Knieprothese;
  • neurologische Erkrankungen wie Parkinson, die Folgen eines Schlaganfalls oder ALS;
  • ein erhöhtes Sturzrisiko, insbesondere wenn Transfers, Richtungswechsel oder das Gehen auf unebenem Untergrund unsicher sind;
  • eine Situation, in der die Behandlung zu Hause unmittelbar an alltäglichen Bewegungsproblemen ansetzen soll.

Dabei geht es nicht darum, dass ältere Menschen grundsätzlich nicht mehr in eine Praxis fahren sollten. Manche Patientinnen und Patienten sind trotz einer chronischen Erkrankung gut mobil, können sicher mit dem Rollator oder mit Begleitung unterwegs sein und profitieren in der Praxis von einer größeren therapeutischen Ausstattung. Andere würden durch den Weg dorthin so viel Energie verlieren, dass für die eigentliche Behandlung kaum noch Kapazität bleibt.

Wir betrachten deshalb nicht nur die Diagnose, sondern das Zusammenspiel aus Kraft, Gleichgewicht, Ausdauer, Schmerz, Orientierung und Umgebung. Zwei Menschen mit derselben medizinischen Diagnose können einen völlig unterschiedlichen Therapieort benötigen.

Ein Hausbesuch ist dann sinnvoll, wenn der Weg zur Praxis die Behandlung erschwert oder wenn die entscheidenden Bewegungsprobleme erst zu Hause sichtbar werden.

Die Verordnung ist nicht nur eine Formalität

Auf der Heilmittelverordnung sollte der Hausbesuch eindeutig vorgesehen sein. Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt auf Grundlage der medizinischen Situation. Für Angehörige ist es hilfreich, im Arztgespräch nicht nur die Diagnose zu nennen, sondern konkrete Alltagssituationen zu beschreiben:

  • Wie sicher gelingt der Weg vom Bett ins Bad?
  • Kann die betroffene Person mehrere Minuten stehen?
  • Ist das Ein- und Aussteigen aus einem Auto möglich?
  • Kommt es zu Stürzen oder Beinahe-Stürzen?
  • Verschlechtert sich die Beweglichkeit nach längeren Wegen deutlich?
  • Welche Unterstützung wird beim Treppensteigen oder bei Transfers benötigt?

Solche Beobachtungen machen die funktionelle Einschränkung greifbar. Denn für die Frage nach einem Hausbesuch ist nicht allein entscheidend, welche Erkrankung vorliegt, sondern wie sie die alltägliche Mobilität beeinflusst.

Therapiequalität: Was zu Hause möglich ist – und was die Praxis zusätzlich bietet

Der inhaltliche Kern der Physiotherapie verändert sich durch den Ort nicht. Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Lymphdrainage oder Atemtherapie können grundsätzlich auch im Rahmen eines Hausbesuchs durchgeführt werden, sofern die jeweilige Leistung verordnet ist und die räumlichen Bedingungen passen. Die Behandlung wird nicht automatisch oberflächlicher, nur weil keine große Therapieliege oder kein Geräteturm im Raum steht.

Mobile Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten mit Hilfsmitteln, die sich gut transportieren und an die Situation anpassen lassen. Dazu gehören beispielsweise Therabänder, kleine Hanteln, Balancehilfen oder Schlingentrainer. Noch wichtiger als das einzelne Hilfsmittel ist jedoch die therapeutische Beobachtung: Wie steht die Person vom eigenen Stuhl auf? Wie wird das Bein beim Einsteigen in die Dusche angehoben? Wo beginnt die Kompensation? Wann verliert das Nervensystem die Sicherheit in der Bewegung?

In der Praxis sind dagegen Trainingsformen möglich, die zu Hause nur schwer umgesetzt werden können. Dazu zählen je nach Ausstattung die Krankengymnastik am Gerät, größere Kraft- und Koordinationsgeräte oder Bewegungsbäder. Diese Angebote können sinnvoll sein, wenn ein gezielter Kraftaufbau, eine umfassende Belastungssteigerung oder eine intensive Gang- und Gleichgewichtsschulung im Mittelpunkt steht.

AspektPhysiotherapie in der PraxisPhysiotherapie beim Hausbesuch
UmgebungTherapieraum mit kontrollierten BedingungenEigenes Zuhause mit realen Alltagsanforderungen
AlltagstrainingBewegungen werden häufig simuliert oder vorbereitetAufstehen, Gehen, Transfers und Treppen können direkt im eigenen Umfeld geübt werden
AusstattungJe nach Praxis Großgeräte, Bewegungsbad oder TrainingsflächeMobile Hilfsmittel wie Bänder, kleine Gewichte und Schlingensysteme
AnreiseSelbstständige Mobilität oder Organisation eines Transports erforderlichKein zusätzlicher Weg zur Praxis
Beobachtung von RisikenSchwerpunkt liegt auf der Bewegung während der BehandlungWohnumgebung, Stolperstellen, Möbel und Bewegungswege werden sichtbar
Belastung für ältere MenschenAnfahrt und Wartezeit können Kraft kostenBehandlung kann ohne Ortswechsel und häufig mit weniger Reizüberflutung stattfinden
Geeignet beiAusreichender Mobilität und Bedarf an intensiver Geräte- oder GruppentherapieEingeschränkter Gehfähigkeit, hohem Sturzrisiko oder konkreten Problemen im Alltag

Die Frage lautet also nicht, ob eine Therapie zu Hause oder in der Praxis grundsätzlich hochwertiger ist. Sie lautet: Welche Umgebung liefert für dieses Therapieziel die besseren Informationen und die passendere Belastung?

Das häusliche Umfeld als Teil der Behandlung

Bei chronischen Schmerzen und neurologischen Erkrankungen sehen wir häufig, dass eine Bewegung in der Praxis besser gelingt als im Alltag. Das ist zunächst kein Widerspruch und auch kein Zeichen mangelnder Mitarbeit. In der Praxis sind die Wege übersichtlich, der Boden eben, die Höhe der Liege bekannt und die Aufmerksamkeit auf die Bewegung gerichtet. Zu Hause kommen andere Anforderungen hinzu: ein niedriger Sessel, ein enger Flur, eine Schwelle, eine Wendung im Badezimmer oder die Unsicherheit beim ersten Schritt nach dem Aufstehen.

Genau hier liegt eine besondere Stärke der mobilen Krankengymnastik. Die Therapeutin kann beobachten, wie eine Bewegung unter den Bedingungen stattfindet, die im Alltag tatsächlich relevant sind. Dabei wird nicht nur das Gelenk betrachtet. Wir achten auf das Zusammenspiel von Atmung, Rumpfstabilität, Muskelspannung, Gleichgewicht und Orientierung. Schmerzen verändern häufig die Bewegungsstrategie; das Nervensystem versucht, eine empfindliche Region zu schützen, und entwickelt eine Kompensation. Diese Kompensation kann kurzfristig hilfreich sein, auf Dauer aber andere Strukturen überlasten.

Ein Alltagstraining zu Hause kann deshalb sehr konkret werden:

1. Vom Bett aufstehen: Wir prüfen, ob die Bewegungsabfolge verständlich und sicher ist, ob ausreichend Kraft in den Beinen vorhanden ist und ob die Person beim Aufrichten die Luft anhält.

2. Zum Badezimmer gehen: Dabei zeigen sich häufig Unsicherheiten, die auf einer kurzen Strecke in der Praxis nicht sichtbar werden – etwa beim Anlaufen, beim Drehen oder beim Überwinden einer Schwelle.

3. Auf einem vertrauten Stuhl aufstehen: Die Sitzhöhe, die Armlehnen und die Position der Füße beeinflussen, wie viel Unterstützung benötigt wird.

4. Treppen bewältigen: Eine Treppe im eigenen Haus stellt andere Anforderungen als eine standardisierte Übung. Entscheidend ist, ob die Person den Handlauf erreicht, das Gewicht verlagern kann und zwischen den Stufen genügend Sicherheit findet.

5. Hilfsmittel einsetzen: Rollator, Gehstock oder Haltegriffe sollten nicht nur vorhanden sein, sondern zur Körpergröße, Kraft und Bewegungsstrategie passen.

Gerade bei Seniorinnen und Senioren ist das Ziel oft nicht eine abstrakte Verbesserung eines Bewegungswertes, sondern mehr Sicherheit in einer konkreten Situation. Wenn der Transfer zum Toilettenstuhl wieder kontrollierter gelingt oder der Weg vom Schlafzimmer in die Küche weniger Angst auslöst, verändert das die Lebensqualität unmittelbar.

Das vertraute Umfeld kann außerdem emotional entlasten. Eine Praxis ist für manche Menschen anregend und motivierend, für andere jedoch mit Zeitdruck, fremden Geräuschen oder Unsicherheit verbunden. Bei Erkrankungen, die Aufmerksamkeit und Orientierung beeinträchtigen, kann die Behandlung zu Hause eine ruhigere Ausgangslage schaffen. Das bedeutet nicht, dass jede häusliche Umgebung automatisch therapeutisch ideal ist. Enge Räume, schlechte Beleuchtung oder fehlende Sitzmöglichkeiten können die Behandlung erschweren. Auch das gehört zur fachlichen Einschätzung.

Ablauf eines physiotherapeutischen Hausbesuchs

Ein Hausbesuch beginnt nicht zwingend mit Übungen auf der Liege. Zunächst wird geklärt, was im Alltag schwierig ist, wie sich die Beschwerden entwickeln und welche Belastungen aktuell möglich sind. Bei älteren Menschen beziehen wir – mit Zustimmung der betroffenen Person – häufig auch Angehörige oder Pflegepersonen ein. Sie können wichtige Beobachtungen beitragen, sollten die Therapie aber nicht stellvertretend für die Patientin oder den Patienten bestimmen.

Der Ablauf kann sich je nach Verordnung und Befund unterscheiden, folgt aber meist einer nachvollziehbaren Struktur:

1. Befund und Zielklärung

Zu Beginn werden Beweglichkeit, Kraft, Gleichgewicht, Schmerzverhalten und Belastbarkeit eingeschätzt. Ebenso wichtig ist die Frage, was sich durch die Therapie konkret verändern soll. Ein Ziel kann sein, sicherer zu gehen, selbstständiger aufzustehen, die Atmung zu erleichtern oder nach einer Operation wieder bestimmte Bewegungsabläufe aufzubauen.

2. Auswahl der passenden Behandlung

Die physiotherapeutische Maßnahme richtet sich nach dem Befund. Bei einer eingeschränkten Gelenkbeweglichkeit kann eine mobilisierende Behandlung im Vordergrund stehen, bei neurologischen Erkrankungen eher die Anbahnung sicherer Bewegungsabläufe. Atemtherapie, manuelle Techniken, aktive Übungen und Schulung der Angehörigen können miteinander verbunden werden.

3. Übertragung in den Alltag

Die neu erarbeitete Bewegung wird möglichst dort geübt, wo sie gebraucht wird. Das kann am Bett, am Esstisch, im Flur oder an der Treppe sein. Dabei geht es nicht um eine möglichst große Anzahl von Übungen, sondern um eine gut dosierte Auswahl, die das Nervensystem nicht überfordert und regelmäßig wiederholt werden kann.

4. Anpassung der Belastung

Chronische Schmerzen reagieren nicht immer linear. Ein guter Tag bedeutet nicht, dass sofort deutlich mehr trainiert werden sollte; ein schlechter Tag ist umgekehrt kein vollständiger Rückschritt. Wir orientieren uns an den Ressourcen der Person und dosieren so, dass Bewegung wieder als kontrollierbar und nicht als Bedrohung erlebt werden kann.

5. Anleitung für die Zeit zwischen den Terminen

Die Übungen sollten verständlich, sicher und im Tagesablauf realistisch sein. Eine kurze, regelmäßig wiederholte Übung kann mehr bewirken als ein umfangreiches Programm, das im Alltag nicht umgesetzt wird. Angehörige können bei der Vorbereitung helfen, die Bewegung aber nicht vollständig übernehmen. Selbstwirksamkeit bleibt ein wichtiger Teil der Rehabilitation.

Kosten, Zuzahlung und Heilmittelverordnung

Bei gesetzlich Versicherten gelten für Heilmittel bestimmte Zuzahlungsregeln. Erwachsene ab 18 Jahren übernehmen grundsätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten sowie 10 Euro pro Verordnung, sofern keine Zuzahlungsbefreiung besteht. Wird ein Hausbesuch verordnet, fällt zusätzlich ein Eigenanteil von 10 Prozent auf die Hausbesuchspauschale an.

Für das Jahr 2026 wird eine GKV-Pauschale von 27,56 Euro für den Hausbesuch einschließlich Wegegeld genannt. Für Patientinnen und Patienten ist dabei entscheidend, dass diese Pauschale nicht mit dem gesamten Preis einer Behandlung gleichzusetzen ist. Die konkrete Zuzahlung hängt von der Verordnung und den abgerechneten Heilmitteln ab. Privatleistungen und individuelle Vereinbarungen können davon abweichen; einen einheitlichen privaten Stundensatz aller Anbieter gibt es nicht.

Die gesetzliche Belastungsgrenze für Zuzahlungen liegt grundsätzlich bei 2 Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens, bei schwerwiegend chronisch Kranken bei 1 Prozent. Ob eine chronische Erkrankung diese Einstufung erfüllt, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und der individuellen Situation ab. Eine Befreiung sollte bei der Krankenkasse beantragt werden, sobald die maßgebliche Belastungsgrenze erreicht ist.

Für die Entscheidung zwischen Praxis und Hausbesuch sollten Kosten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Auch der Transport zur Praxis, eine notwendige Begleitperson oder ein Fahrdienst können organisatorische und finanzielle Belastungen verursachen. Umgekehrt ist ein Hausbesuch ohne medizinische Indikation keine Leistung, die die gesetzliche Krankenkasse allein wegen des höheren Komforts übernimmt.

Die richtige Behandlungsumgebung spart nicht nur Wege. Sie kann darüber entscheiden, ob die geübte Bewegung später im Alltag tatsächlich zur Verfügung steht.

Praxis oder Hausbesuch: Eine Entscheidung nach dem aktuellen Zustand

Der passende Therapieort kann sich im Verlauf verändern. Direkt nach einer Operation kann ein Hausbesuch notwendig sein, weil das Gehen noch unsicher und die Belastbarkeit gering ist. Einige Wochen später kann der Weg in die Praxis wieder möglich werden – vielleicht zunächst mit Begleitung und später selbstständig. In anderen Fällen nimmt die Mobilität durch eine neurologische Erkrankung oder ein chronisches Schmerzsyndrom weiter ab, sodass die Behandlung zu Hause langfristig die sinnvollere Struktur bietet.

Für die Orientierung hilft eine Betrachtung der folgenden Fragen:

  • Ist der Weg zur Praxis sicher oder nur mit erheblicher Anstrengung möglich?
  • Bleibt nach der Anreise noch ausreichend Energie für die Therapie?
  • Soll eine konkrete häusliche Bewegung verbessert werden?
  • Sind Großgeräte oder ein Bewegungsbad für das Therapieziel entscheidend?
  • Ist die Wohnung ausreichend zugänglich und bietet sie Platz für sichere Übungen?
  • Kann eine Begleitperson die Anreise zuverlässig unterstützen?
  • Passt die Behandlung zu Hause zur ärztlichen Verordnung und zur Kostenübernahme?

Ein Hausbesuch passt häufig besser, wenn …

die Gehfähigkeit deutlich eingeschränkt ist, Transfers unsicher sind oder nach einer Operation noch eine hohe körperliche Erschöpfung besteht. Auch bei einem hohen Sturzrisiko, ausgeprägten neurologischen Symptomen oder einer starken Angst vor dem Weg in die Praxis kann die häusliche Umgebung zunächst die angemessenere therapeutische Basis sein.

Der Praxisbesuch kann sinnvoller sein, wenn …

die Anreise sicher bewältigt wird und ein intensiveres Training an Geräten, eine größere Bewegungsfläche oder ein Bewegungsbad benötigt werden. Auch Menschen, die das Verlassen der Wohnung als wichtigen Teil ihrer Aktivierung erleben, können von der Praxis profitieren. Der Ortswechsel kann dann selbst ein sinnvoller Bestandteil der ambulanten Rehabilitation sein – vorausgesetzt, er übersteigt nicht die körperlichen Ressourcen.

Eine Kombination kann der beste Weg sein

Nicht jede Versorgung muss dauerhaft nur an einem Ort stattfinden. In einer frühen Phase kann die Physiotherapie im häuslichen Umfeld helfen, Sicherheit bei den grundlegenden Bewegungen zurückzugewinnen. Später kann die Behandlung in der Praxis ergänzt werden, um Kraft, Ausdauer oder Koordination mit größeren Geräten weiterzuentwickeln.

Umgekehrt kann nach einem Praxisbesuch ein Hausbesuch sinnvoll werden, wenn sich zeigt, dass die Fortschritte nicht in den Alltag übertragen werden. Die Entscheidung sollte deshalb regelmäßig überprüft werden. Sie ist keine Bewertung der Person und auch kein endgültiges Urteil über ihre Selbstständigkeit, sondern eine Anpassung an den aktuellen Zustand des Nervensystems und des Körpers.

Was Angehörige bei der Organisation beachten sollten

Angehörige übernehmen bei der Suche nach einer passenden Seniorenphysiotherapie in München oft die erste Orientierung. Sie sollten dabei nicht nur nach einem möglichst schnellen Termin fragen, sondern die Situation präzise schildern. Für die Praxis oder den mobilen Dienst ist relevant, ob eine ärztliche Verordnung vorliegt, ob der Hausbesuch angekreuzt wurde und welche Behandlung verordnet ist.

Hilfreiche Informationen sind:

  • die aktuelle Diagnose und der Zeitpunkt einer Operation oder Entlassung;
  • die vorhandenen Hilfsmittel, etwa Rollator, Rollstuhl oder Gehhilfen;
  • die Frage, ob die Person allein aufstehen und einige Schritte gehen kann;
  • die wichtigsten Beschwerden und Alltagshindernisse;
  • die räumlichen Bedingungen vor Ort;
  • die gewünschte Einbindung von Angehörigen oder Pflegepersonen;
  • die Klärung, ob eine Kassenzulassung besteht oder ob eine private Vereinbarung notwendig ist.

Bei einem Hausbesuch sollte außerdem ein ruhiger, ausreichend heller Bereich zur Verfügung stehen. Möbel müssen nicht vollständig umgeräumt werden. Gerade die vertraute Einrichtung ist ja Teil der Therapie. Stolperstellen, lose Teppiche oder sehr enge Durchgänge sollten jedoch angesprochen werden, wenn sie die Sicherheit gefährden.

Langfristige Linderung entsteht durch passende Dosierung

Die Entscheidung zwischen Praxis und Hausbesuch ist am Ende eine Entscheidung über Passung. Eine Therapie kann fachlich hervorragend sein und trotzdem am Alltag vorbeigehen, wenn die entscheidenden Bewegungen nur unter künstlich günstigen Bedingungen stattfinden. Sie kann ebenso wirksam sein, wenn sie zu Hause mit wenigen Hilfsmitteln arbeitet, aber genau an den Situationen ansetzt, die Unsicherheit und Schmerzen auslösen.

Bei chronischen Beschwerden braucht der Körper häufig Zeit, um neue Bewegungsstrategien zu entwickeln. Das Nervensystem muss wieder unterscheiden lernen, welche Belastung sicher ist. Gelenke, Muskeln und Faszien müssen sich an Bewegung beteiligen können, ohne dass eine einzelne Struktur dauerhaft kompensiert. Dieser Prozess gelingt selten durch möglichst viel Druck. Er gelingt eher durch verständliche Anleitung, verlässliche Wiederholung und eine Belastung, die zu den vorhandenen Ressourcen passt.

Für Seniorinnen und Senioren bedeutet das: Der beste Ort ist nicht der modernste und nicht automatisch der bequemste. Es ist der Ort, an dem die Behandlung sicher, nachvollziehbar und für das konkrete Leben relevant wird. Wenn der Alltag selbst das zentrale Therapieziel ist, kann der Hausbesuch einen entscheidenden Vorteil haben. Wenn intensive Gerätearbeit oder ein Bewegungsbad benötigt werden und die Mobilität es erlaubt, bietet die Praxis wichtige zusätzliche Möglichkeiten.

Eine gute Entscheidung bleibt deshalb beweglich. Sie orientiert sich an der aktuellen Gehfähigkeit, an den Therapiezielen und an dem, was im Alltag wirklich gelingen soll. Genau dort beginnt eine Physiotherapie, die nicht nur Bewegung übt, sondern Selbstständigkeit Schritt für Schritt wieder zugänglich macht.

Häufige Fragen

Wann ist Physiotherapie als Hausbesuch für Senioren medizinisch sinnvoll?
Ein Hausbesuch kann sinnvoll sein, wenn die Gehfähigkeit stark eingeschränkt ist, Transfers unsicher sind, ein hohes Sturzrisiko besteht oder nach einer Operation die Belastbarkeit deutlich reduziert ist. Auch konkrete Bewegungsprobleme, die nur zu Hause sichtbar werden, können dafür sprechen.
Wie wird ein physiotherapeutischer Hausbesuch verordnet?
Bei gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten muss der behandelnde Arzt die medizinische Notwendigkeit feststellen und den Hausbesuch ausdrücklich auf der Heilmittelverordnung ankreuzen. Ohne diese Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die zusätzlichen Kosten in der Regel nicht.
Wann ist Physiotherapie in der Praxis besser geeignet?
Ein Praxisbesuch kann sinnvoller sein, wenn die Anreise sicher bewältigt wird und ein intensiveres Training an Geräten, eine größere Bewegungsfläche oder ein Bewegungsbad benötigt werden. Auch der Ortswechsel kann ein sinnvoller Bestandteil der Aktivierung sein, sofern er die körperlichen Ressourcen nicht übersteigt.
Welche physiotherapeutischen Behandlungen sind bei einem Hausbesuch möglich?
Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Lymphdrainage oder Atemtherapie können grundsätzlich auch bei einem Hausbesuch durchgeführt werden, sofern die jeweilige Leistung verordnet ist und die räumlichen Bedingungen passen. Mobile Therapeutinnen und Therapeuten können dafür unter anderem Therabänder, kleine Hanteln, Balancehilfen oder Schlingentrainer einsetzen.
Welche Zuzahlung fällt für einen physiotherapeutischen Hausbesuch an?
Erwachsene ab 18 Jahren zahlen grundsätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten sowie 10 Euro pro Verordnung, sofern keine Zuzahlungsbefreiung besteht. Bei einem verordneten Hausbesuch kommt zusätzlich ein Eigenanteil von 10 Prozent auf die Hausbesuchspauschale hinzu; für 2026 wird dafür eine GKV-Pauschale von 27,56 Euro einschließlich Wegegeld genannt.