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Meldung

Neues britisches Rehabilitationszentrum setzt Maßstäbe für die vernetzte Patientenversorgung

Die Chartered Society of Physiotherapy (CSP) berichtet, dass das neue nationale Rehabilitationszentrum in Großbritannien den Betrieb aufgenommen hat.

Neues britisches Rehabilitationszentrum setzt Maßstäbe für die vernetzte Patientenversorgung

Das National Rehabilitation Centre (NRC) verfügt über 70 Betten und behandelt Patientinnen und Patienten nach schweren Erkrankungen oder Verletzungen. Für die Physiotherapie ist die Einrichtung relevant, weil sie Behandlung, Forschung, Ausbildung und technische Rehabilitation in einem spezialisierten Zentrum verbinden soll.

Ein nationales Zentrum mit regionalem Auftrag

Das NRC wird vom Nottingham University Hospitals NHS Trust betrieben und ist gemeinsam mit dem Defence Medical Rehabilitation Centre angesiedelt. Zunächst richtet sich das Angebot vor allem an Patientinnen und Patienten aus den East Midlands. Langfristig ist jedoch ein Zentrum-und-Außenstellen-Modell vorgesehen. Regionale Rehabilitationseinheiten sollen dabei mit dem NRC verbunden werden und den Zugang zu spezialisierten Leistungen erweitern.

Für die mobile Physiotherapie ist dieser Ansatz vor allem unter Versorgungs- und Übergabegesichtspunkten interessant. Ein spezialisiertes Zentrum endet nicht automatisch mit der stationären Behandlung. Entscheidend ist, wie Therapieziele, Belastungsaufbau und funktionelle Einschränkungen in die weitere Versorgung übertragen werden. Das betrifft auch die aufsuchende Physiotherapie, wenn der Patient nach einer schweren Erkrankung oder Verletzung wieder im häuslichen Umfeld behandelt wird.

Aus der Eröffnung lässt sich allerdings keine Änderung des deutschen Heilmittelkatalogs und keine neue Regelung für die Verordnung von Hausbesuchen ableiten. Das NRC ist eine Einrichtung des britischen NHS. Der unmittelbare Wert für deutsche Praxen liegt deshalb nicht in einer übertragbaren Abrechnungsregel, sondern in der Frage, wie komplexe Rehabilitation organisatorisch gebündelt werden kann.

Robotik, Gangtraining und interdisziplinäre Forschung

Nach Angaben der CSP umfasst das NRC die umfassendste Robotik-Ausstattung des britischen NHS. Die Technik soll Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, wieder zu gehen, die Handfunktion neu zu erlernen und bestimmte Körperfunktionen aufzubauen. Hinzu kommt mit „Zero G“ ein in Großbritannien erstmals eingesetztes System zur teilweisen Gewichtsentlastung des Körpers. Es ermöglicht Bewegungstraining mit einer technisch unterstützten Sicherung.

Patienten können außerdem Einrichtungen des benachbarten Defence Medical Rehabilitation Centre nutzen. Genannt werden eine Hydrotherapie-Abteilung, ein erweitertes Ganglabor, eine vollständig immersive virtuelle Umgebung sowie Röntgen- und MRT-Diagnostik.

Für den Praxisalltag ist dabei eine klare Abgrenzung erforderlich: Die genannten Systeme sind Bestandteil der spezialisierten Infrastruktur des NRC. Sie sind kein Beleg dafür, dass mobile Physiotherapiepraxen vergleichbare Technik benötigen. Für die Versorgung zu Hause bleibt vielmehr entscheidend, welche funktionellen Ziele aus der stationären Rehabilitation übernommen werden und welche Maßnahmen im Wohnumfeld tatsächlich umgesetzt werden können.

Das NRC soll zudem die Rehabilitationsforschung und Innovation vorantreiben. Eine eigene Akademie arbeitet nach den vorliegenden Angaben mit 26 Universitäten in England zusammen. Physiotherapeuten übernehmen dabei nicht nur Aufgaben in der Behandlung, sondern auch in Ausbildung, Forschung und Weiterentwicklung der Rehabilitation.

Was Praxisleitungen daraus prüfen sollten

Die Nachricht ist für deutsche Leistungserbringer daher als Struktur- und Qualitätsimpuls einzuordnen. Eine Praxisleitung sollte bei komplexen Fällen insbesondere prüfen, ob der Übergang aus einer spezialisierten Rehabilitation in die ambulante oder mobile Behandlung nachvollziehbar dokumentiert ist. Dazu gehören mindestens die funktionellen Rehabilitationsziele, der aktuelle Belastungsstand und die Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Berufsgruppen.

Auch die Kommunikation mit Angehörigen und anderen Leistungserbringern darf nicht als Nebensache behandelt werden. Gerade nach schweren Erkrankungen oder Verletzungen kann die Versorgung mehrere Phasen und unterschiedliche Therapieorte umfassen. Ein Zentrum mit gebündelter Expertise löst dieses Problem nur dann, wenn Informationen und Zielsetzungen an die nächste Versorgungsebene weitergegeben werden.

Für den deutschen Praxisalltag bleibt deshalb als konkretes To-do: Die Praxisleitung sollte die eigenen Übergabeprozesse für Hausbesuche und mobile Nachsorge prüfen. Maßgeblich ist nicht, ob die Praxis über Robotik oder ein Ganglabor verfügt. Maßgeblich ist, ob aus der spezialisierten Rehabilitation ein klarer, im häuslichen Umfeld umsetzbarer Therapieauftrag entsteht.