Mobile Knie-Rehabilitation: Wie digitale Heim-Systeme die Versorgungslücke schließen
Nach Angaben von ROMTech, Hersteller des PortableConnect-Systems, leben 40,8 Prozent der US-Veteranen mit Knieendoprothese in ländlichen Regionen.

Das Unternehmen weitet seine Heimreha-Plattform auf Veteranen aus, die über die US-Veteranenverwaltung (VA) versorgt werden. Der Anlass ist ein doppeltes Strukturdefizit: weite Wege zur Reha-Einrichtung und Schnittstellenprobleme zwischen VA-Klinik und externer Community Care. Für die Diskussion um mobile Physiotherapie liefert der Fall konkrete Zahlen.
Versorgungslage laut VA-Daten
Eine nationale VA-Auswertung identifizierte nach Unternehmensangaben 93.063 primäre Knieendoprothesen zwischen Oktober 2019 und Juli 2024. 58.152 Eingriffe, also 62,5 Prozent, erfolgten demnach über das Community-Care-Programm. Das VA Office of Inspector General benennt in diesem Kontext wiederholt Überweisungsverzögerungen und Terminengpässe. Etwa 3 Millionen rurale Veteranen sind bei der VA eingeschrieben, 54 Prozent sind 65 Jahre oder älter. ROMTech gibt an, das eigene Gerät bei mehr als 200.000 Patienten eingesetzt zu haben, darunter in 63 VA-Kliniken. In einer internen Analyse von 35.294 Anwendern seien im Durchschnitt 2,7 Einheiten pro Tag an sieben Tagen die Woche absolviert worden, rund 38 Einheiten in den ersten zwei Wochen nach Entlassung. Das Unternehmen vergleicht das mit 4 bis 6 ambulanten Physiotherapiesitzungen im gleichen Zeitraum.
Übertragbarkeit auf die Hausbesuchspraxis nach § 124 SGB V
Die US-Zahlen lassen sich nicht 1:1 auf das SGB V übertragen. Sie zeigen aber ein bekanntes deutsches Problem: Wegezeit als Therapietreiber und als Faktor in der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Wer im ländlichen Raum oder im Münchner Umland Hausbesuche durchführt, kennt die Engpässe bei Regelfallüberschreitungen und bei der Verordnung außerhalb des Regelfalls. ROMTech positioniert das Gerät als Ergänzung zur ärztlich verordneten Therapie. CEO Peter Arn erklärt dazu, Veteranen sollten nicht zwischen beschwerlicher Anfahrt und Therapieausfall wählen müssen. PortableConnect liefere strukturierte Reha zu Hause und halte Behandler durchgehend verbunden. Für die deutsche Diskussion ist relevant, dass das US-Modell die Therapiefrequenz pro Tag deutlich erhöht, ohne dass die Krankenkasse pro Einheit abrechnet. In Deutschland ist eine vergleichbare Heimbetreuung über die ärztliche Verordnung und die Hausbesuchsregelung des jeweiligen Heilmittelvertrags abzubilden. Wegegeld und Wegezeit werden nach Maßgabe des regionalen Vertrags erstattet. Die Frequenzvorgaben des Heilmittelkatalogs gelten aber auch mobil. Eine Heimbetreuung mit Geräteeinsatz ist keine eigene Heilmittelposition. Sie lässt sich nur im Rahmen der verordneten KG- oder KMT-Einheiten dokumentieren.
To-do für die Praxisleitung
1. Hausbesuchsstrecke prüfen. Welche Postleitzahlen werden bedient. Wie hoch ist die durchschnittliche Wegezeit pro Tag. Welche Fälle sprengen die Regelfallzeit.
2. Verordnungen außerhalb des Regelfalls sauber begründen. Medizinische Begründung auf der Verordnung. Dokumentation der Therapiefrequenz pro Woche. Klare Zielsetzung.
3. Telemetrie und Geräteeinsatz nur im Rahmen der verordneten Heilmittelposition dokumentieren. Datum, Dauer und Inhalt wie bei jeder Einheit festhalten. Kein Einsatz ohne ärztliche Verordnung.
4. Wirtschaftlichkeitsprüfung im Blick behalten. Hohe Einzelfrequenz bei wenigen Patienten kann rechnerisch auffallen, auch wenn sie indiziert ist. Frühzeitig mit der zuständigen KV oder Kasse kommunizieren.