Demenzpflege zu Hause: Warum 70 Prozent der Angehörigen an ihre Grenzen stoßen
Ein im Auftrag des österreichischen Sozialministeriums erstellter Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass rund 70 Prozent der pflegenden Angehörigen sich durch ihre Aufgabe überlastet fühlen. Der Bericht steht im Kontext des 8.

Nationalen Aktionstags für pflegende Angehörige am 13. September 2026, der in diesem Jahr dem Katastrophen- und Krisenmanagement gewidmet ist. Für die mobile Physiotherapie in München ist diese Erhebung mehr als eine Randnotiz: Häusliche Demenzbetreuung gehört zum Hausbesuchsalltag, und die Belastung der Angehörigen wirkt sich direkt auf jede Behandlungssituation aus.
Strukturdaten zur häuslichen Pflege
In Österreich übernehmen dem Bericht zufolge etwa 950.000 Menschen die Pflege von Familienmitgliedern, der Großteil davon Frauen. In Deutschland leben nach Daten des Robert Koch-Instituts und der Alzheimer Forschung Initiative rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die RKI-Erhebung von 2022 weist für die über 40-Jährigen eine Betroffenenquote von 2,8 Prozent aus. Die österreichische Sozialministerin Schumann kündigte parallel an, jährlich 100 Millionen Euro zusätzlich für die mobile Pflege bereitzustellen. Der Seniorenbund unter Präsidentin Korosec verlangt zudem, den Angehörigenbonus bereits ab Pflegestufe 3 statt erst ab Stufe 4 zu gewähren.
Politische Weichenstellungen mit Versorgungsfolgen
Die Pflegeausgaben in Deutschland summieren sich Berichten zufolge auf etwa 75 Milliarden Euro pro Jahr. Bundesminister Linnemann (CDU) kündigte im September 2026 die Einsetzung einer Strukturkommission zur Pflegereform mit einem Einsparziel von rund 10 Prozent an. Konkret zur Debatte steht eine Kürzung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige von 100 auf 70 Prozent – ab 2027 würde das rund 1,8 Milliarden Euro einsparen. Ein Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom Juni 2026 sieht ein Entlastungs- und Sozialraumbudget von bis zu 175 Euro monatlich sowie eine Akut-Kurzzeitpflege ab Januar 2028 vor. Die Pflegegeldsätze 2026 liegen je nach Pflegegrad zwischen 347 und 990 Euro, Sachleistungen bis 2.299 Euro.
To-do für die Hausbesuchspraxis
- Belastungsstatus der betreuenden Angehörigen bei jedem Hausbesuch aktiv erfragen und dokumentieren.
- Pflegegeldsätze 2026 (347 bis 990 Euro, Sachleistungen bis 2.299 Euro) im Beratungsgespräch konkret benennen, sobald Unterstützungsbedarf signalisiert wird.
- Mobile Physiotherapie strikt über den Regelfall des Heilmittelkatalogs verordnen, um bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung sauber zu stehen.
- Vorbereitung auf das Sozialraumbudget: Voraussetzungen für die Beantragung 2028 jetzt mit Hausarzt und Pflegestützpunkt abstimmen.